Die Schweizer Industrie steht vor erheblichen rechtlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen durch den Einsatz von PFAS-Fluorchemikalien. Während die Europäische Union ihre Grenzwerte verschärft und bereits Verbote für PFAS in Kosmetika und Kleidung implementiert hat, fehlt in der Schweiz ein präziser Überblick über die verwendeten Mengen. Da der Zoll keine detaillierten Daten zu Importen dieser Stoffe führt, basieren Erkenntnisse über die Umweltbelastung derzeit primär auf Schätzungen und Stichproben.

Ein aktueller Bericht des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) des Kantons Zürich verdeutlicht die Dimension des Problems. Bei der Untersuchung von 40 Abwasserproben aus verschiedenen Branchen, darunter Wäschereien und Galvanikbetriebe, wurden fast durchgehend PFAS nachgewiesen. Besonders besorgniserregend ist der Fund der giftigen und seit Jahren verbotenen Substanzen PFOS und PFOA, obwohl die letzte Übergangsfrist bereits im Jahr 2024 ablief.

Es besteht eine signifikante Diskrepanz zwischen den gemessenen Werten und den Angaben der Unternehmen, da der Einsatz PFAS-haltiger Produkte oft verneint wird. Viele Betriebe wissen laut Dominik Werner von Scienceindustries nicht, in welchem Umfang sie diese Chemikalien nutzen, da PFAS in zahlreichen Produkten nicht deklariert werden müssen. So finden sich die Stoffe beispielsweise versteckt in Dichtungen und Pumpen von Anlagen zur Abfüllung von Mineralwasser.

Diese Intransparenz stellt laut Chemikalienrechtsexperte Werner ein ernst zu nehmendes Risiko für die Unternehmen dar. Die wirtschaftlichen Folgen könnten insbesondere bei notwendigen Sanierungen von Abwässern oder durch Verbote essenzieller Fertigungsprodukte eintreten. Parallel dazu verschärfen sich die Konflikte in anderen Sektoren, etwa bei Landwirten, die PFAS-kontaminiertes Fleisch verkaufen wollen, oder bei den Kosten für die Bodenreinigung und Wasserwirtschaft.