In Jerusalem haben die offiziellen Konsultationen zur Bildung einer neuen israelischen Regierung im Präsidentschaftspalast begonnen. Staatspräsident Izchak Herzog empfängt bis Donnerstagabend nacheinander die Spitzen aller in die Knesset gewählten Fraktionen. Dieser Prozess dient der Benennung eines Kandidaten für das Amt des Premierministers in einer Phase, in der das Land politisch tief gespalten ist.
Das Wahlergebnis hat zu einem ideologischen und mathematischen Patt geführt, da keine Seite die notwendige Mehrheit von mindestens 61 der 120 Sitze erreicht hat. Weder der rechtsnationale und religiöse Block unter Benjamin Netanjahu noch das Oppositionsbündnis um den ehemaligen Militärchef Gadi Eisenkot verfügen über eine stabile Mehrheit. Die arabischen Parteien halten mit insgesamt 19 Mandaten nun den Schlüssel zur Macht und fungieren als entscheidende Zünglein an der Waage.
Präsident Herzog appellierte an die Parteichefs, mit einem "offenen Herzen nach kreativen Lösungen zu suchen" und gegenseitig zuzuhören. Er betonte, dass Israel sich eine anhaltende politische Lähmung oder neue Wahlen in dieser kritischen Phase nicht erlauben könne. Um den öffentlichen Druck zu erhöhen und das Vertrauen der Bevölkerung zu stärken, werden die Konsultationen in voller Länge live im Fernsehen und über digitale Kanäle übertragen.
Parallel zu den Gesprächen wächst der gesellschaftliche Druck auf Oppositionsführer Gadi Eisenkot von der Yashar-Partei. Über 700 direkt Betroffene, darunter Überlebende der Massaker und freigelassene Geiseln des 7. Oktober, forderten ihn in einem Appell dazu auf, sein Mandat ausschließlich für eine "Regierung des Wandels" einzusetzen. Die Unterzeichner warnten eindringlich davor, faule Kompromisse oder eine entsprechende Koalition einzugehen.


