Thunes-Studie zeigt Interoperabilitätslücke im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr auf - lokale Innovation stoppt an der Grenze

02.06.2026

Der erste Interoperabilitätsindex von Thunes und Juniper Research zeigt, dass sich lokale Netzwerke zwar weiterentwickeln, viele grenzüberschreitende Zahlungen jedoch in einer globalen Sackgasse stecken bleiben

AMSTERDAM, 2. Juni 2026 /PRNewswire/ -- Mehr als eine Milliarde Menschen warten immer noch tagelang auf den Eingang internationaler Gelder, obwohl 50 % der Empfänger Schnelligkeit als oberste Priorität angeben. Ein neuer Bericht von Thunes und Juniper Research zeigt eine auffällige Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Verbraucher und der Realität langsamer, fragmentierter grenzüberschreitender Netze.

Der Bericht weist auch auf einen kritischen blinden Fleck im Finanzsektor hin: Die lokalen Zahlungssysteme sind zwar schneller und fortschrittlicher als je zuvor, aber diese Innovation macht an der Grenze halt. Die grenzüberschreitende Interoperabilität – die Fähigkeit, Geld unabhängig von der geografischen Lage oder den zugrunde liegenden Systemen reibungslos über die Grenzen hinweg zu bewegen – ist nach wie vor ungelöst.

Um diese Lücken aufzuzeigen, hat der Thunes Cross-Border Payments Interoperability Index, der zusammen mit Juniper Research veröffentlicht wurde, 50 Länder unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse zeigen starke regionale Unterschiede, aber auch einen roten Faden quer über den Globus: Ein Mangel an Interoperabilität wirkt sich auf alle Regionen aus, was beweist, dass ein starker nationaler Fortschritt nicht automatisch eine nahtlose internationale Konnektivität garantiert.

Das regionale Bild: Innovation ohne Verbindung nach außen

  • Europa (führend bei der Interoperabilität): 16 der 20 besten Platzierungen. Dank des integrierten SEPA-Netzes, das grenzüberschreitende Euro-Überweisungen innerhalb von zehn Sekunden abwickelt, steht die Region weltweit an der Spitze. Diese reibungslose Erfahrung bleibt jedoch weitgehend auf die Eurozone beschränkt.
  • Americas: Die USA (Rang 21), obwohl dort viele grenzüberschreitende Unternehmen ansässig sind, weisen ein Anpassungsdefizit auf, da ein verteiltes Bankennetz die Integration mit globalen Echtzeit-Schienen verlangsamt. Trotz des großen Erfolgs des brasilianischen PIX im Inland müssen 42 % der internationalen Empfänger aufgrund strenger Devisenkontrollen immer noch mit mehrtägigen Verzögerungen rechnen.
  • Asien-Pazifik: Singapur (Rang 2) zeichnet sich durch den Aufbau direkter bilateraler Verbindungen mit anderen Ländern aus, schneidet aber bei der grenzüberschreitenden Konnektivität schlecht ab. Die Giganten Indien und China rangieren auf den hinteren Plätzen, weil sich ihre hypereffizienten Systeme stark auf das Inland konzentrieren, so dass 46 % der indischen und 30 % der chinesischen Empfänger tagelang auf Gelder aus dem Ausland warten müssen. Hinzu kommt, dass die Einführung mobiler Geldbörsen in Ost-, Süd- und Südostasien stark isoliert ist und nicht von Haus aus auf globaler Ebene interoperabel ist.
  • Naher Osten: Märkte wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien verfügen über eine fortschrittliche technische Infrastruktur, doch die täglichen Gewohnheiten sind nach wie vor stark auf physische Währungen ausgerichtet. 72 % der saudischen Bürger verwenden mindestens einmal pro Woche Bargeld, was die unmittelbare Reichweite digitaler grenzüberschreitender Netze einschränkt.
  • Afrika: Die Region leistet Pionierarbeit bei lokalen Fintech-Innovationen, insbesondere bei mobilem Geld in Kenia und digitalen Vermögenswerten in Nigeria, aber die niedrigeren Gesamtwerte spiegeln den allgemeinen globalen Gegenwind wider, da internationale Banken ihre Korrespondenzbeziehungen in diesen Korridoren reduzieren.

Wachsende Akzeptanz von mobilen Geldbörsen

Der Bericht bestätigt auch, dass sich die Art und Weise, wie Menschen internationale Zahlungen senden und empfangen, stark verändert hat:

  • Mobile Geldbörsen und Zahlungs-Apps sind heute der vorherrschende Kanal für den internationalen Geldversand und werden von 48 % der Teilnehmenden weltweit als Haupteinstiegspunkt für den grenzüberschreitenden Geldverkehr genutzt.
  • In mehreren Märkten spielen Geldbörsen eine noch wichtigere Rolle bei der finanziellen Eingliederung. 30 % der Nutzer in Indien, 26 % in Südafrika und 25 % auf den Philippinen wählten eine mobile Geldbörse als ihr allererstes formelles Finanzkonto. 26 % taten dies, weil es einfach zu abonnieren war.

Trotz dieses Wandels sind Banken nach wie vor tief in die Abwicklungsinfrastruktur eingebettet, was die Notwendigkeit einer besseren Integration zwischen den Finanzökosystemen unterstreicht.

Stablecoins: Vertrauen und Regulierung als letzte Hürde

Während nur 11 % der Menschen weltweit normalerweise Kryptowährungsplattformen nutzen, um Geld ins Ausland zu schicken, zeigen bestimmte Märkte ein großes Interesse an digitalen Vermögenswerten:

  • In Nigeria beispielsweise geben 40 % an, Geld über Kryptowährungsplattformen grenzüberschreitend zu versenden, und nur 19 % gaben an, noch nie von Stablecoins gehört zu haben, verglichen mit einem weltweiten Durchschnitt von 38 %. Dieses größere Bewusstsein und Verständnis für Produkte mit digitalen Vermögenswerten führt zu einer breiteren Nutzung bei allen Finanzaktivitäten.
  • In Europa hatten 59 % noch nie von ihnen gehört und nur 8 % gaben an, sie zu benutzen. Und das, obwohl Europa bei den Regulierungsbemühungen, einschließlich der Einführung von MiCA, die Klarheit und Verbraucherschutz für digitale Vermögenswerte schaffen soll, eine Vorreiterrolle spielt.
  • Bei den Nichtnutzern weltweit ist das größte Hindernis das Betrugsrisiko (25 %), gefolgt von der Zufriedenheit mit den bestehenden Zahlungsmethoden (23 %), was darauf hindeutet, dass das Hindernis nicht nur in der mangelnden Nachfrage liegt, sondern auch in der Notwendigkeit eines besseren Vertrauens, einer besseren Regulierung und einer besseren Interoperabilität mit dem offiziellen Finanzsystem.

Mathieu Limousi, Chief Marketing Officer bei Thunes, sagte: „Wir sind Zeugen eines großen Widerspruchs im globalen Finanzwesen: Der Zahlungsverkehr im Inland hat sich zu einem Schnellverfahren entwickelt, doch allzu oft gerät die Innovation ins Stocken, sobald das Geld eine Grenze erreicht. Unser Interoperabilitätsindex beweist, dass es beim Kampf um die globale finanzielle Eingliederung nicht darum geht, mehr Infrastruktur zu bauen, sondern darum, das Bestehende zu verbinden. Mobile Geldbörsen, digitale Vermögenswerte und traditionelle Banken verbreiten sich zwar schnell, aber sie arbeiten als isolierte Inseln. Echte finanzielle Mobilität wird es nur geben, wenn wir diese unverbundenen Netze zwingen, miteinander zu kommunizieren und dafür sorgen, dass die Technologie nicht an der Grenze Halt macht."

Nick Maynard, VP of Research bei Juniper Research, fügte hinzu: „Die Daten zeigen einen klaren strukturellen Stillstand. Grenzüberschreitende Reibungsverluste sind nicht länger ein lokales Problem der Zahlungssysteme, sondern eine globale Interoperabilitätskrise. Während die inländische Infrastruktur Echtzeitgeschwindigkeiten erreicht hat, sind die internationalen Verbindungen zwischen ihnen nach wie vor stark fragmentiert. Selbst in technisch fortschrittlichen Märkten scheitert der globale Zahlungsverkehr immer noch an der letzten Meile, weil verschiedene Finanzsysteme nicht nahtlos zusammenarbeiten können.

Laden Sie eine vollständige Kopie des Berichts herunter: The Thunes Cross-border Payments Interoperability Index.

Methodik

Der Bericht basiert auf einer Online-Verbraucherumfrage, die von Juniper Research im April 2026 unter 6.763 Befragten in 10 Ländern durchgeführt wurde: die USA, Brasilien, das Königreich Saudi-Arabien, China, Indien, die Philippinen, das Vereinigte Königreich, Deutschland, Südafrika und Nigeria. Der Interoperabilitätsindex bewertet 50 Märkte anhand eigener Umfragedaten und etablierter Benchmarks, darunter die Global Findex Database 2025 der Weltbank und Daten zu den Überweisungskosten der Weltbank.

Informationen zu Thunes

Weitere Informationen finden Sie auf: https://www.thunes.com.

Informationen zu Juniper Research

Weitere Informationen finden Sie auf: www.juniperresearch.com.

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Hormus-Blockade vor möglichem Ende – Branche bleibt dennoch skeptisch

15.06.2026

Die Einigung zwischen den USA und dem Iran auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Iran-Kriegs sorgt in der Handelsschifffahrt für vorsichtige Erleichterung. Besonders im Fokus steht die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Seepassagen für den weltweiten Öl- und Flüssiggas-Handel. Seit Beginn des Konflikts Ende Februar ist die Meerenge weitgehend blockiert, zahlreiche Handelsschiffe sitzen im Persischen Golf fest. Nun soll die Passage nach der geplanten Unterzeichnung des Abkommens wieder geöffnet werden.

US-Präsident Donald Trump kündigte an, dass die Straße von Hormus nach dem Abschluss der Vereinbarung wieder für den Verkehr freigegeben werden solle. Die Unterzeichnung ist für Freitag in Genf vorgesehen. Für die deutsche Handelsschifffahrt wäre dies ein entscheidender Schritt zur Normalisierung. „Die Signale aus den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran machen auch der Schifffahrt Hoffnung“, sagte Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR). Zugleich mahnte er, es müsse sich erst zeigen, ob die Passage dauerhaft sicher befahrbar sein werde. Man sei „vorsichtig optimistisch“.

Die Branche hat allen Grund, auf rasche Entspannung zu hoffen. Nach Angaben des VDR sitzen aktuell noch 46 Schiffe deutscher Reedereien mit rund 1.000 Seeleuten im Persischen Golf fest. Die Blockade der Meerenge trifft nicht nur die Reedereien, sondern bremst den globalen Energiehandel. Die UN-Sonderorganisation für Seeschifffahrt (IMO) begrüßte die Einigung ausdrücklich. Seit Ausbruch des Konflikts wurden der IMO zufolge 46 Angriffe auf Handelsschiffe in der Region bestätigt, bei denen 14 Seeleute ums Leben kamen.

Trotz der diplomatischen Fortschritte sehen Branchenverbände die Lage in der Region weiter kritisch. Der internationale Schifffahrtsverband Bimco bewertet die Sicherheitslage in der Straße von Hormus auch nach Bekanntwerden des Rahmenabkommens als instabil. Eine Durchfahrt bleibe sehr riskant, heißt es aus dem Verband. Für Reeder und Charterer stellt sich damit die Frage, wie schnell und in welchem Umfang sie ihre Routen wieder über die Meerenge führen können – oder ob Ausweichrouten zumindest mittelfristig bestehen bleiben müssen.

Für den Moment überwiegt in der Schifffahrt die Hoffnung, dass die geplante Vereinbarung in Genf die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entspannung an einem der neuralgischsten Punkte des globalen Seehandels schafft. Ob und wie schnell sich die Zahl der festliegenden Schiffe reduziert und sich die Risikoeinschätzungen der Versicherer und Verbände anpassen, dürfte entscheidend dafür sein, wann sich der Verkehr durch die Straße von Hormus wieder weitgehend normalisiert.