Brasiliens Klage zur Erstattung der durch Tabak verursachten Gesundheitskosten erreicht einen entscheidenden Meilenstein, da das Gericht sich auf eine Entscheidung vorbereitet

30.07.2026

Stellungnahme von Yolonda C. Richardson, Präsidentin und Geschäftsführerin der „Campaign for Tobacco-Free Kids"

WASHINGTON, 30. Juli 2026 /PRNewswire/ -- Eine wegweisende Klage, die 2019 von der brasilianischen Generalstaatsanwaltschaft (Advocacia-Geral da União, kurz AGU) eingereicht wurde, um die größten Zigarettenhersteller des Landes für die enormen Kosten im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die durch das Rauchen verursacht werden, finanziell zur Verantwortung zu ziehen, hat einen entscheidenden Meilenstein erreicht. Alle rechtlichen Eingaben sind nun vollständig eingegangen, darunter auch ein Gutachten der Bundesanwaltschaft, das die Forderungen der AGU stützt. In diesem Fall steht nun eine Entscheidung des Bundesgerichts in Porto Alegre aus, ob die Tabakkonzerne für die Schäden haftbar sind, die durch die Vermarktung und den Verkauf ihrer Zigaretten in Brasilien verursacht wurden.

Campaign for Tobacco-Free Kids logo. (PRNewsFoto/Campaign for Tobacco-Free Kids)

Mit der Klage soll erreicht werden, dass die größten Zigarettenhersteller des Landes dem brasilianischen Gesundheitssystem die Gesundheitsausgaben erstatten, die im Zusammenhang mit Krankheiten entstanden sind, die wissenschaftlich mit dem Tabakkonsum in Verbindung gebracht werden. Zu den Beklagten zählen BAT Brasil (ehemals Souza Cruz) und Philip Morris Brasil sowie deren Muttergesellschaften British American Tobacco und Philip Morris International.

Der Fall ist eine der weltweit bedeutendsten Klagen auf Erstattung der durch Tabak verursachten Gesundheitskosten und könnte Auswirkungen haben, die weit über Brasilien hinausreichen. Im Falle eines Erfolgs würde dieser Fall den Grundsatz bekräftigen, dass Tabakkonzerne für die enormen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Kosten, die durch ihre Produkte verursacht werden, zur Verantwortung gezogen werden sollten.

Der Tabakkonsum stellt eine enorme Belastung für das brasilianische Gesundheitssystem dar . Jedes Jahr verursacht das Rauchen etwa 177.000 Todesfälle und verursacht geschätzte Gesundheitsausgaben in Höhe von 75 Milliarden R$ (fast 15 Milliarden US-Dollar) für die Behandlung tabakbedingter Erkrankungen. In der Klage wird argumentiert, dass die Herstellung und der Verkauf von Zigaretten zwar rechtmäßige Tätigkeiten sind, die Unternehmen jedoch rechtlich verpflichtet bleiben, die Gesellschaft für die durch ihre Produkte verursachten Schäden zu entschädigen.

Die Klage Brasiliens ist die erste ihrer Art in einem Land mit niedrigem oder mittlerem Einkommen, in der ein Haftungsurteil ergangen ist. Ähnliche Maßnahmen zur Kostendeckung im Gesundheitswesen wurden auch in anderen Ländern ergriffen, darunter Kanada und die Vereinigten Staaten, wo die Regierungen erfolgreich Entschädigungen für Gesundheitsausgaben geltend gemacht haben, die auf den Tabakkonsum zurückzuführen sind.

Die Tabakindustrie hat in Brasilien enorme und gut dokumentierte Schäden für die öffentliche Gesundheit verursacht. Ein positives Urteil wäre nicht nur ein bedeutender Meilenstein für Brasilien, sondern würde auch einen wichtigen Präzedenzfall für Regierungen schaffen, die die Tabakindustrie zur Rechenschaft ziehen wollen.

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AmiGo-Projekt: Autonome Postautos sollen ab 2027 fahrerlos fahren

15.06.2026

Postauto treibt den Einsatz autonomer Fahrzeuge in der Ostschweiz voran und bereitet nach eigenen Angaben Europas grösstes Robo-Taxi-Netz vor. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat dem Unternehmen eine Ausnahmebewilligung erteilt, damit die speziell ausgerüsteten E-Autos im St. Galler Rheintal sowie in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden automatisch verkehren dürfen. Seit dem 1. Juni sind die Fahrzeuge in einem rund 80 Quadratkilometer grossen Gebiet unterwegs – vorerst noch zu Testzwecken und mit Sicherheitsfahrerinnen und -fahrern an Bord.

Herzstück des Projekts ist die Flotte von bis zu 25 sogenannten "AmiGo"-Fahrzeugen, die im Endausbau mit Automatisierungsgrad Level 4 fahren sollen. Postauto kooperiert dafür mit Apollo Go, der Robotaxi-Sparte des chinesischen Technologiekonzerns Baidu. Die Fahrzeuge werden im typischen Postauto-Gelb lackiert und elektrisch betrieben. Während der Testphase dürfen die Sicherheitsfahrer ihre Hände vom Lenkrad nehmen; sie können jedoch jederzeit eingreifen, wenn die Situation es erfordert – etwa an unübersichtlichen Verzweigungen oder bei forsch auftretendem Gegenverkehr.

Im Alltagstest auf einer festgelegten Route in Altstätten (SG) zeigt sich das System laut Projektbeteiligten bereits weitgehend stabil, auch wenn der Fahrkomfort in Kurven noch nicht an einen menschlichen Chauffeur heranreicht. Auffällig ist das sehr defensive Verhalten, etwa vor Fussgängerstreifen, wo das Fahrzeug früh abbremst, selbst wenn sich Personen noch in einiger Entfernung befinden. Gesteuert wird der Betrieb zusätzlich aus einer Leitstelle, in der Operatorinnen und Operatoren die Fahrten überwachen und bei Bedarf aus der Ferne eingreifen können.

Der reguläre Betrieb mit fahrerlosen Fahrzeugen ist ab 2027 vorgesehen. Postauto plant, dass Fahrgäste in der Region ihre autonome Fahrt dann probeweise per App buchen können. Astra-Direktor Jürg Röthlisberger sieht im automatisierten Fahren eine grosse Chance und spricht dem Projekt das Potenzial eines "Gamechangers" zu. Es ist nicht der erste Versuch mit selbstfahrenden Fahrzeugen in der Schweiz, aber nach Umfang und Einsatzgebiet der bislang weitreichendste. Die Technologie soll schrittweise verfeinert und insbesondere für ländliche Regionen erprobt werden, in denen flexible, bedarfsgesteuerte Angebote die bestehende Grunderschliessung ergänzen könnten.