Ultrasensible Fracht: Cern wagt Straßentest mit eingeschlossenen Antiprotonen

24.03.2026


Am europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf läuft ein Experiment, das die Grundlagenforschung grundlegend verändern könnte: Erstmals sollen Antimaterie-Teilchen per Lkw über mehrere Kilometer transportiert werden. Rund 100 bis 1000 Antiprotonen werden dazu in einer speziellen Vorrichtung aus dem Labor gefahren und auf eine etwa halbstündige Testfahrt geschickt, die sich über rund fünf Kilometer ausschließlich über das Cern-Gelände erstreckt. Die Physiker Stefan Ulmer und Christian Smorra von der Universität Düsseldorf sprechen von „absolutem Neuland“ und betonen, dass „nie zuvor etwas Ähnliches bewerkstelligt“ worden sei.

Die Fracht gilt als extrem empfindlich: Antimaterie wird in Form von Antiprotonen in einem Vakuum gehalten und von supergekühlten Magneten stabilisiert. Gerät sie in Kontakt mit normaler Materie, wird sie in einem kurzen Energieschub ausgelöscht. Untergebracht sind die Teilchen in einer rund 1.000 Kilogramm schweren „transportablen Antiprotonen-Falle“, einer Box, die kompakt genug ist, um durch normale Labortüren zu passen und auf einen Lkw verladen zu werden. Jeder Stoß auf der Straße, den das System nicht ausgleicht, könnte das Experiment scheitern lassen.

Gelingt der Versuch, wollen Forscher mittelfristig Antiprotonen vom Cern aus zu anderen Laboren transportieren, zunächst etwa an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, aber auch nach Hannover und Heidelberg. Bislang ist das Cern der einzige Ort weltweit, an dem Antiprotonen gespeichert werden können. „Wenn es gelingt, Antimaterie-Teilchen zu transportieren und unabhängig vom Ort, wo sie produziert werden, zu untersuchen, ermöglicht das ganz neue Forschung“, sagt Ulrich Husemann, Direktor für Teilchenphysik am Forschungszentrum Desy in Hamburg, der an dem Transportexperiment selbst nicht beteiligt ist. Ziel sei es, die Grundlagen des Universums und damit auch unserer Existenz besser zu verstehen.

Antimaterie hat in der Popkultur einen Ruf als potenzielle Superwaffe erlangt, nicht zuletzt durch Dan Browns Bestseller „Illuminati“ und entsprechende Hollywood-Verfilmungen, in denen Material aus dem Cern zur Bedrohung wird. Die nun in Genf laufenden Arbeiten zielen jedoch nicht auf spektakuläre Anwendungen, sondern auf die nüchterne Ausweitung präziser Messungen: Durch den sicheren Transport der winzigen Antiprotonen-Mengen könnte der Zugang zu dieser seltenen Ressource breiter werden – und damit die experimentellen Möglichkeiten von Universitäten und Forschungszentren, die bislang nicht direkt an den Anlagen des Cern arbeiten können.

Migros wächst bei EBIT dank Einmaleffekten, verliert aber Marktanteile

24.03.2026


Die Migros hat 2025 einen Rekordgewinn ausgewiesen – angetrieben vor allem durch den Verkauf mehrerer Tochterfirmen. Der Reingewinn sprang auf 1,1 Milliarden Franken, nach 419 Millionen im Vorjahr. Der Betriebsgewinn (EBIT) kletterte auf 1,2 Milliarden Franken, von zuvor 484 Millionen. Laut Mitteilung des Konzerns sind die ausserordentlichen Erträge aus Unternehmensverkäufen der zentrale Treiber dieses Ergebnissprungs.

Im Zuge des grössten Konzernumbaus ihrer Geschichte hat sich die Migros in den vergangenen Jahren von einer Reihe von Randgeschäften getrennt. Bereits 2024 belasteten Restrukturierungen und Abschreiber das Ergebnis um 440 Millionen Franken, unter anderem durch den Ausstieg aus dem Fachmarktgeschäft mit Marken wie SportX, Melectronics, Bikeworld, Do it + Garden, Obi, Micasa, Misenso und Bestsmile. 2025 folgten der Verkauf der Kosmetiksparte Mibelle sowie der Vollzug des Verkaufs des Reiseveranstalters Hotelplan Group.

Diese Schritte beschleunigten 2025 den EBIT durch Einmaleffekte um insgesamt 400 Millionen Franken. Ohne Sondereinflüsse zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Der bereinigte Betriebsgewinn ging auf 812 Millionen Franken zurück, nach 924 Millionen im Vorjahr. Auch im operativen Kerngeschäft steht der Konzern unter Druck. Die Migros verlor Marktanteile an die Konkurrenz, während sie gleichzeitig im Supermarktgeschäft mit Preissenkungen um rund 500 Millionen Franken pro Jahr ihre Position halten will. Ein Teil dieses Volumens spiegelt sich erst zeitversetzt im Ergebnis 2025, da die Preissenkungen gestaffelt eingeführt werden.

Strategisch richtet sich der Konzern nach Abschluss des Konzernumbaus auf ein schlankeres Portfolio aus. Künftig fokussiert sich die Migros auf die Bereiche Detailhandel, Finanzdienstleistungen und Gesundheit. Das Supermarktgeschäft bezeichnet sie trotz des Wettbewerbs- und Preisdrucks als „stabil“. 2025 sank der Gruppenumsatz um 1,9 Prozent auf 31,9 Milliarden Franken, wobei in der Zahl noch Anteile verkaufter Unternehmen enthalten sind, was den Vergleich mit dem Vorjahr erschwert. Operativ setzt die Migros weiter auf Expansion: Im vergangenen Jahr wurden 13 neue Filialen eröffnet, bis 2030 sollen es 140 sein. Damit dürfte auch der Personalbestand, der derzeit im Durchschnitt bei 91’689 Mitarbeitenden liegt, weiter steigen.