
BASF-Chef Markus Kamieth stellt die mögliche Übernahme von Evonik in einen größeren Branchentrend: Die Chemieindustrie stehe vor einer „großen Welle an Übernahmen und Fusionen“, sagte er auf dem Deutschland-Gipfel von Handelsblatt und WirtschaftsWoche in Berlin. Als Marktführer wolle BASF diese Phase aktiv nutzen. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass BASF eine Kaufofferte für den Essener Spezialchemiekonzern im Volumen von rund zehn Milliarden Euro abgegeben hatte. Der Evonik-Vorstand hat das Angebot zurückgewiesen; offiziell verweist BASF bislang nur auf Sondierungen, deren Fortgang und Ausgang offen seien.
Kamieth vermied es zwar, die Offerte im Detail zu kommentieren, umriss aber die strategische Logik hinter einem möglichen Zusammenschluss. Eine Kombination von BASF mit „einem anderen starken Spieler aus der Spezialchemie“ ergebe aus seiner Sicht „sehr viel Sinn“. BASF könne in einer solchen Verbindung seine Stärke in der Basischemie einbringen, während Evonik als Nummer zwei in Deutschland auf margenstarke Spezialchemie fokussiert ist. Damit rückt ein Modell in den Mittelpunkt, bei dem ein integrierter Großkonzern seine Grundchemie mit wachstumsstarken Spezialanwendungen verzahnt.
Im Zentrum des Machtpokers steht die RAG-Stiftung, die rund 44 Prozent der Evonik-Aktien hält und damit eine Sperrminorität. Während der Evonik-Vorstand die Offerte abgeschmettert hat, ist offen, ob die Stiftung die Abwehrstrategie dauerhaft mitträgt oder mittelfristig Verkaufsbereitschaft zeigt. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) äußert erhebliche Zweifel an der Standfestigkeit der von Bernd Tönjes geführten Stiftung. In einem Brief an die Betriebsräte von Evonik und BASF, auf den sich Medienberichte beziehen, erinnert IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis die Stiftung an ihre Verpflichtungen und stellt ihr Anlage-Geschick infrage. Parallel dazu fordert die SPD einen Staatseinstieg bei Evonik, um Einfluss und Standortinteressen zu sichern.
An den Kapitalmärkten hat der Übernahmepoker die Kursfantasie befeuert: Die Evonik-Aktie schloss zuletzt bei 20,86 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn rund 56 Prozent im Plus. Allein seit Bekanntwerden der Sondierungsgespräche mit BASF legte das Papier um knapp drei Prozent zu. Gleichzeitig arbeitet das Evonik-Management daran, die eigene strategische Eigenständigkeit zu untermauern. Ende September kündigte der Konzern an, die Wachstumsstrategie nachzuschärfen und den Geschäftsbereichen sowie den großen deutschen Standorten verbindliche Rollenprofile zuzuweisen. Mit Investitionsprojekten in Kanada und der Slowakei sowie der geplanten neuen Geschäftseinheit „Designed Polymer Solutions“ positioniert sich Evonik stärker in margenstarken Spezialanwendungen – und sendet das Signal, dass der Konzern auch ohne Eigentümerwechsel auf Ertrags- und Wachstumskurs setzen will.

Während die Dieselpreise in Teilen Italiens neue Höchststände erreichen, zeichnet sich in Luxemburg eine spürbare Entspannung ab – und in Deutschland profitieren Autofahrer nur eingeschränkt von Steuererleichterungen. In Südtirol kletterte der Dieselhöchstpreis in Bozen Medienberichten zufolge auf 2,288 Euro pro Liter und lag damit am Mittwoch über dem Durchschnitt auf den italienischen Autobahnen. Dort wurden im Schnitt 2,287 Euro pro Liter Diesel fällig. Im gesamtstaatlichen Vergleich ist Südtirol damit weiterhin Spitzenreiter bei den Preisen.
Auch in anderen italienischen Regionen zogen die Dieselpreise deutlich an. In Trient stieg der Selbstbedienungspreis auf 2,274 Euro pro Liter, ein Anstieg um 1,1 Cent binnen eines Tages. Die stärksten Preissprünge wurden jedoch nicht in den teuersten Regionen verzeichnet, sondern im Nordosten und im Westen des Landes: In Friaul verteuerte sich ein einmaliges Volltanken von 50 Litern Diesel um 1,25 Euro, in Ligurien um 1,20 Euro, im Latium um 1,15 Euro. Auf den Autobahnen wurden Tagesanstiege von bis zu zwei Cent je Liter registriert. Der Präsident der nationalen Verbraucherunion, Massimiliano Dona, wirft der Regierung in Rom vor, zu wenig gegen die Preisanstiege zu unternehmen, und warnt vor möglichen Folgen für die Inflation.
Parallel dazu zeigt sich in Luxemburg ein gegenteiliger Trend. Dort wird Diesel nach Angaben des Wirtschaftsministeriums ab Mitternacht um 6,2 Cent je Liter günstiger und kostet dann 1,995 Euro. Damit fällt der Preis unter die Marke von zwei Euro. Die Benzinsorten Super 95 und Super 98 bleiben stabil bei 1,837 Euro beziehungsweise 2,049 Euro je Liter. Auch Heizöl wird in Luxemburg billiger: Bei Abnahme von mindestens 1.500 Litern sinkt der Literpreis am Mittwoch ebenfalls um 6,2 Cent auf 1,477 Euro. Der Großherzogtum bewegt sich damit preislich klar unter dem Niveau vieler Regionen in Italien.
In Deutschland wiederum kommt eine bereits beschlossene Steuerentlastung für Autofahrer nur begrenzt an. In Sachsen-Anhalt senkte die Bundesregierung vor rund einer Woche die Steuern auf Kraftstoffe um 17 Cent pro Liter. Laut dem Portal Benzinpreis-blitz kostete Super E10 am Mittwochnachmittag im Landesdurchschnitt 2,12 Euro pro Liter und damit lediglich rund sieben Cent weniger als am Nachmittag vor Inkrafttreten des Rabatts. Der Dieselpreis lag bei 2,19 Euro pro Liter, rund 15 Cent unter dem Vorkrisenniveau. Die Entlastung erreicht damit nicht vollständig die angekündigte Höhe, zudem spielt laut den Erhebungen die Uhrzeit eine wesentliche Rolle: Je nach Tageszeit fällt der Vorteil für Verbraucher unterschiedlich aus.
Im europäischen Vergleich entstehen damit deutliche Preisunterschiede für Dieselverbraucher. Während Italien mit Rekordständen in Teilen des Landes und spürbaren Tagesanstiegen im Fokus steht, nutzt Luxemburg den Spielraum für Preissenkungen. Deutschland versucht, über Steuersenkungen gegenzusteuern, bislang mit begrenzter Durchschlagskraft an der Zapfsäule. Für Verbraucher bleibt das Umfeld volatil – und die Frage, in welchem Umfang staatliche Eingriffe und Marktbewegungen künftig tatsächlich im Portemonnaie der Autofahrer ankommen.