Leasing-Konflikt belastet Schienenersatzverkehr zwischen Hamburg und Berlin

10.03.2026


Der Schienenersatzverkehr zwischen Hamburg und Berlin steckt in einer tiefen Krise, die auf einen wirtschaftlichen Konflikt zwischen dem Betreiber Ecovista und einem Investor zurückzuführen ist. Seit August betreibt Ecovista im Auftrag der Deutschen Bahn den Ersatzverkehr, weil die Bahnstrecke für umfassende Sanierungsarbeiten gesperrt ist. Ursprünglich setzte das Unternehmen dafür rund 200 neue Busse ein, die bei einem Investor geleast waren. Wegen als zu hoch empfundener Leasingraten kündigte Ecovista den Vertrag jedoch zum Ende Februar.

Die Kündigung führte zu einer überraschenden Entwicklung: Quasi über Nacht tauschte Ecovista die neuen Fahrzeuge gegen Gebrauchtbusse vom freien Markt aus. Dieser abrupte Flottentausch hatte erhebliche Qualitätseinbußen zur Folge. Die eingesetzten Gebrauchtfahrzeuge entsprechen nach Angaben der Deutschen Bahn nicht den vertraglich vereinbarten Standards. Fahrgäste berichten von maroden Bussen, Fahrzeugausfällen und fehlenden digitalen Echtzeitinformationen, was zu erheblichem Unmut führt.

Ecovista-Geschäftsführer Michael Bader räumt die Probleme ein und kündigt Verbesserungen an. In einem internen Rundschreiben, das dem Nordkurier vorliegt, erklärt Bader, dass das Unternehmen „gezwungen“ war, die Flotte auszutauschen, und dass die Ausstattung der Gebrauchtbusse „teilweise nicht ganz auf dem Niveau“ der vorherigen Fahrzeuge liege. Bader betont, dass marode Fahrzeuge, über die sich Fahrgäste zu Recht beschwert hätten, aus der Flotte entfernt wurden. Das Unternehmen arbeite daran, die Busse mit USB-Steckdosen und WLAN nachzurüsten und die digitalen Echtzeitdaten wiederherzustellen. Gleichzeitig dämpft Bader die Erwartungen: Realistischerweise würden die Busse nicht den Standard einer komplett neuen Flotte erreichen.

Die Krise hat weitere Dimensionen: Ecovista kämpft auch mit Verzögerungen bei Lohnzahlungen an Mitarbeiter, die das Unternehmen auf den Investor zurückführt. Die Deutsche Bahn zeigt sich verärgert über die Qualitätsmängel und hat Ecovista bereits abgemahnt. Der bundeseigene Konzern hat angedroht, andere Anbieter für den Ersatzverkehr in Betracht zu ziehen, sollte sich die Situation nicht bald verbessern. Bader bleibt dennoch optimistisch, dass die Qualität des Angebots in Kürze wieder den Erwartungen entsprechen wird.

Mehr als drei Millionen Menschen im Iran auf der Flucht

13.03.2026


Seit Beginn der Luftangriffe der USA und Israels auf den Iran sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR mehr als drei Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben worden. Betroffen seien zwischen 600.000 und einer Million Haushalte, teilte die Behörde am Donnerstag in Genf mit. Je nach Haushaltsgröße entspreche das bis zu 3,2 Millionen Menschen, deren bisheriger Wohnort infolge der Kampfhandlungen nicht mehr sicher oder bewohnbar ist.

Die UNHCR-Notfallabteilung rechnet damit, dass die Zahl der Binnenvertriebenen weiter steigen wird. Angesichts der anhaltenden Angriffe sprach der Leiter der Abteilung, Ayaki Ito, von einer „besorgniserregenden Eskalation“ der humanitären Lage im Iran. Die Organisation betont die Notwendigkeit, Zivilisten zu schützen, humanitären Zugang aufrechtzuerhalten und Grenzen für Menschen, die Sicherheit suchen, gemäß internationalen Verpflichtungen offen zu halten.

Der Iran beherbergt seit Jahren große Flüchtlingspopulationen aus Nachbarstaaten, insbesondere aus Afghanistan. Nach UNHCR-Angaben werden diese Menschen nun zusätzlich von den aktuellen Kampfhandlungen erfasst. Viele dieser Familien verfügten über nur sehr begrenzte Unterstützungsnetzwerke und befänden sich daher in einer besonders verwundbaren Lage, warnte Ito.

Die USA und Israel hatten den Angaben zufolge am 28. Februar mit Luftangriffen den Iran-Krieg begonnen. Bereits am ersten Tag der Angriffe wurden der Oberste Führer des Landes, Ayatollah Ali Khamenei beziehungsweise Ayatollah Ali Chamenei, sowie weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Der Iran reagiert seither mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Ziele in Israel, mehreren Golfstaaten und auf US-Einrichtungen in der Golfregion. Humanitäre Organisationen richten ihren Fokus nun verstärkt auf die Versorgung der Vertriebenen und drängen auf Maßnahmen zur Begrenzung der zivilen Folgen der anhaltenden Kampfhandlungen.