Blau-Schwarz in der Steiermark: Konsolidierung mit angezogener Handbremse

08.10.2026


Die steirische Landesregierung hat am Donnerstag ihren Entwurf für das Landesbudget 2027 vorgelegt – ein weiteres Sparbudget, das die Neuverschuldung zwar bremst, den Schuldenstand aber dennoch deutlich steigen lässt. Dem Zahlenwerk zufolge stehen Einnahmen von rund 8,86 Milliarden Euro Ausgaben von etwa 9,45 Milliarden Euro gegenüber. Daraus ergibt sich ein Nettofinanzierungssaldo – und damit ein Budgetdefizit – von rund 594 Millionen Euro. Gegenüber dem für 2026 veranschlagten Minus von 835 Millionen Euro bedeutet das eine Verringerung der Neuverschuldung um rund 241 Millionen Euro.

Die Schulden des Landes, inklusive landesnaher Unternehmen, werden laut Regierung bis Ende 2027 auf nahezu 8,9 Milliarden Euro anwachsen. Pro Kopf ergibt sich damit eine Verschuldung von 6.965 Euro. Allein für Kreditzinsen muss die Steiermark im kommenden Jahr 190 Millionen Euro aufwenden. Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) sprach bei der Präsentation im Grazer Landhaus von einem „guten und verantwortungsvollen Budget 2027“, betonte aber, dass das im Regierungsprogramm von FPÖ und ÖVP verankerte Ziel eines Endes der Neuverschuldung noch nicht erreicht sei. Man habe jedoch, so Kunasek, die „Dynamik des unbegrenzten Schuldenmachens“ gebrochen und damit wieder Spielräume geschaffen, um Schwerpunkte zu setzen.

Die Konsolidierungsstrategie der blau‑schwarzen Koalition stützt sich auf Einsparungen und Strukturmaßnahmen. Finanzlandesrat Willibald Ehrenhöfer (ÖVP) hatte bereits im Frühjahr Einschnitte von 377 Millionen Euro für 2027 in Aussicht gestellt, um die Vorgaben des österreichweiten Stabilitätspakts einhalten zu können. Nun liegt die geplante Neuverschuldung mit 594 Millionen Euro aber deutlich über der Paktobergrenze von 515 Millionen Euro. Ehrenhöfer räumte ein, dass man diese Marke im Entwurf um rund 79 Millionen Euro überschreitet, zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass im „konsequenten Vollzug“ des Budgets der Stabilitätspakt dennoch eingehalten werden könne. Vize-Landeshauptfrau Manuela Khom (ÖVP) hob hervor, die Neuverschuldung sei „deutlich eingebremst“, weniger Bürokratie und mehr Eigenverantwortung stünden im Mittelpunkt; ein finanziell stabiles Land sei die Voraussetzung für weitere Investitionen.

Zu den Sparmaßnahmen zählen Kürzungen etwa bei der Sozialunterstützung und in der Grundversorgung für Asylwerber. Auf der Einnahmenseite verzichtet die Regierung auf größere neue Quellen und setzt vielmehr auf Konsolidierung im Bestand. Eine symbolträchtige Entlastung für die Bevölkerung – die Abschaffung der ORF-Landesabgabe – wird dagegen nach hinten verschoben: Anstatt früher zu enden, soll sie nun erst mit Ende 2028 auslaufen, wie Kunasek ankündigte. Die Koalition versucht damit, den Spagat zwischen Konsolidierung und politisch gesetzten Entlastungssignalen zu bewältigen, ohne – wie es Kunasek formulierte – mit dem „Rasenmäher“ quer über alle Ausgabenbereiche zu fahren.

Der Weg zum aktuellen Budget war von innerkoalitionellen Spannungen begleitet. Ehrenhöfer hatte drei externe Expertinnen und Experten – darunter Wifo-Chef Gabriel Felbermayr – engagiert, um Sparpotenziale im Landeshaushalt zu identifizieren. Dieser sogenannte „Weisenrat“ war innerhalb der Koalition nicht abgestimmt und stieß bei der FPÖ auf Widerstand; die Freiheitlichen betonten das Ressortprinzip und erklärten, die Experten seien in ihren Bereichen nicht willkommen. Kunasek distanzierte sich zudem vom Stabilitätspakt, den er zwar unterschrieben, aber nach eigener Darstellung nicht verhandelt habe, und warnte davor, die Steiermark „kaputtsparen“ zu wollen. Trotz dieser Differenzen präsentiert die Landesregierung das Budget 2027 nun geschlossen – mit gesenkter Defizitprognose, aber weiter steigender Gesamtverschuldung.

Höhere Energiepreise treiben Inflation – Anleger ziehen sich aus Aktien zurück

08.10.2026


Inflationssorgen und steigende Ölpreise haben Europas wichtigste Aktienmärkte zur Wochenmitte spürbar belastet und zugleich die Monatsbilanz eingetrübt. Der EuroStoxx 50 schloss am Mittwoch 0,81 Prozent tiefer bei 6269,02 Punkten. Im Monatsverlauf verlor der Leitindex der Eurozone 2,4 Prozent und beendete damit eine Serie von fünf Anstiegen in Folge. Der DAX gab um 0,79 Prozent auf 25.199,19 Punkte nach, während der britische FTSE moderat um rund ein Viertel Prozent auf gut 10.600 Zähler nachgab.

Treiber der Risikoaversion waren neue Inflationsdaten aus großen Euroländern. In Deutschland kletterten die Verbraucherpreise im September auf 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit erstmals seit Ende 2023 wieder über die Marke von drei Prozent, nachdem im August noch 2,9 Prozent verzeichnet worden waren. Starke Anstiege der Energiepreise wirkten als Hauptfaktor – eine Entwicklung, die sich nach ersten Angaben auch in Frankreich und Italien widerspiegelt. In Italien kam es zudem zu einem deutlichen Anstieg der Teuerung, was die Sorge nährte, dass der disinflationäre Trend im Euroraum ins Stocken geraten könnte.

Parallel dazu zogen die Ölpreise erneut an. Marktteilnehmer verwiesen auf die angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten und mögliche Risiken für die Öllieferungen aus dem Persischen Golf. Berichte, wonach mehrere Tankschiffe in der Straße von Hormuz unter Beschuss geraten sein sollen, verstärkten die Nervosität. Höhere Energiekosten und im Umfeld der Inflationsdaten steigende Anleiherenditen machten Anleger nach Einschätzung von Marktstrategen europaweit selektiver. Ulrich Urbahn, Leiter Multi-Asset-Strategie und Research bei Berenberg, sieht dennoch Chancen für eine Jahresendrallye: Robuste Unternehmensgewinne könnten die Märkte stützen, sofern Firmen ihre Margen und Prognosen behaupten und sowohl Inflation als auch Renditen nicht weiter zulegen.

Im Branchenspektrum fehlten klare Impulse von den Technologiewerten, die nach Vortagesgewinnen überwiegend richtungslos tendierten. Viele Investoren warteten auf die anstehenden Quartalszahlen des US-Speicherchip-Herstellers Micron, die als Gradmesser gelten, ob der Boom rund um Künstliche Intelligenz weiterhin ausreichend im operativen Geschäft der Halbleiterbranche ankommt. Analyst Andreas Lipkow von CMC Markets warnte, eine Enttäuschung bei Micron könne die zuletzt gewachsene Skepsis gegenüber dem KI-Sektor rasch in neuen Verkaufsdruck umschlagen lassen. Einzelwerte wie BMW im DAX konnten sich diesem Umfeld zwar mit Kursgewinnen entziehen, insgesamt dominierte an den europäischen Börsen jedoch zum Monatsende die Vorsicht.