Der Sportartikelhersteller Adidas hat am Mittwoch in Herzogenaurach seine mittelfristigen Ziele bis 2028 vorgestellt und sieht sich trotz konjunktureller und geopolitischer Turbulenzen für die kommenden Jahre gut aufgestellt. Das Unternehmen strebt weitere Zuwächse bei Umsatz und Gewinn an. Für das laufende Jahr erwartet Adidas einen währungsbereinigten Umsatzanstieg im hohen einstelligen Prozentbereich, was in absoluten Zahlen einem Plus von zwei Milliarden Euro entspräche. Im Jahr 2025 waren die Erlöse der Marke Adidas währungsbereinigt bereits um 13 Prozent auf einen Rekordwert von 24,8 Milliarden Euro gestiegen.
Das Betriebsergebnis soll sich im laufenden Jahr von knapp 2,1 Milliarden auf rund 2,3 Milliarden Euro verbessern. Diese Prognose liegt jedoch unter den Erwartungen der Analysten, die einen Konsens von etwa 2,7 Milliarden Euro hatten. Das Unternehmen führt an, dass Zölle und Währungseffekte den Gewinn mit 400 Millionen Euro belasten dürften. Am Aktienmarkt kam die Prognose im frühen Handel nicht gut an; die im Dax notierte Aktie fiel zum Auftakt um fast sechs Prozent.
Für die Zeit bis 2028 setzte sich Adidas weitere Ziele. Der Umsatz soll pro Jahr währungsbereinigt ebenfalls im hohen einstelligen Prozentbereich steigen, während sich das Betriebsergebnis im Schnitt im mittleren Zehner-Prozentbereich pro Jahr verbessern soll. Zudem strebt das Unternehmen an, bis 2028 eine operative Marge von über zehn Prozent zu erreichen, nach 8,3 Prozent im vergangenen Jahr. Vorstandschef Björn Gulden, dessen Vertrag bis Ende 2030 verlängert wurde, erklärte, man werde sich weiter darauf konzentrieren, konsumentenorientiert zu sein und die Komplexität des Unternehmens zu reduzieren.
Aktionäre können sich über höhere Kapitalrückflüsse freuen. Adidas kündigte an, die Dividende für 2025 deutlich zu erhöhen, und plant für 2027 und 2028 jeweils Aktienrückkäufe im Wert von bis zu einer Milliarde Euro, sofern die Bedingungen es zulassen. Für das laufende Jahr hat Adidas bereits ein Rückkaufprogramm in dieser Höhe angekündigt. Das Unternehmen geht von einem starken strukturellen Wachstum der Sportartikelbranche aus und verweist auf erfolgreiche Retro-Produkte wie Samba und Gazelle sowie auf erwartete Impulse durch die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika.

Lindt & Sprüngli liefert operative Rekordzahlen – und erlebt an der Börse dennoch einen heftigen Rückschlag. Die Partizipationsscheine des Premiumschokoladen-Herstellers brachen am Dienstag im frühen Handel zeitweise bis auf 11'000 Franken ein, ein Minus im Tief von deutlich über 7 Prozent. Auslöser ist nicht das vergangene Geschäftsjahr, in dem Lindt EBIT, Reingewinn und Marge im Rahmen oder leicht über den Konsensschätzungen abgeliefert hat, sondern die spürbar zurückgenommene Wachstumsprognose für das laufende Jahr.
Nach einem preisgetriebenen Umsatzplus und einer EBIT-Marge von rund 16,4 Prozent im Jahr 2025, die damit innerhalb der eigenen Zielspanne lag, stellt der Konzern für 2026 nur noch ein organisches Wachstum von 4 bis 6 Prozent in Aussicht. Zuvor lag der Korridor bei 6 bis 8 Prozent. Bereits für das laufende Jahr hatte Lindt seine „übliche“ Wachstumsbandbreite von 6 bis 8 Prozent im Januar noch bestätigt, nur um sie nun auf 4 bis 6 Prozent zu senken. Begründet wird dies mit geopolitischen Spannungen rund um den Iran-Krieg, höheren Energiepreisen, gedämpfter Konsumstimmung und möglichen Belastungen für den Tourismus – was speziell die Verkäufe an Flughäfen und in touristischen Hotspots treffen könnte.
Ein Teil der Analysten zweifelt jedoch daran, dass geopolitische Risiken die alleinige oder wesentliche Erklärung für die vorsichtigere Tonlage sind. So verweist Bernstein auf den vergleichsweise geringen Anteil des Nahen Ostens am Gesamtumsatz von Lindt von lediglich rund 1 bis 2 Prozent. Für Beobachter wie Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy signalisiert die neue Guidance daher vor allem Unsicherheit darüber, ob der Konzern nach einem Jahr, in dem das Wachstum praktisch komplett aus massiven Preiserhöhungen und nicht aus steigenden Volumen kam, die Absatzmengen 2026 tatsächlich wieder erhöhen kann.
Gleichzeitig fährt Lindt die Aktionärsvergütung deutlich hoch. Die Dividende soll für das abgelaufene Jahr stärker als erwartet steigen: Je Namenaktie werden 1'800 Franken in Aussicht gestellt – rund 200 Franken mehr als die Analystenschätzungen. Zudem plant das Unternehmen ein neues Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1 Milliarde Franken und erhöht die Dividende beim Partizipationsschein auf 180 Franken. Nach einer rund 19-prozentigen Preiserhöhung im Jahr 2025, die trotz rückläufiger Verkaufsvolumina für ein Umsatzwachstum von 8,2 Prozent auf 5,92 Milliarden Franken sorgte, richtet Lindt damit seine Kapitalallokation stärker auf Ausschüttungen aus. An der Börse überlagern allerdings Zweifel an der künftigen Wachstumsdynamik derzeit den positiven Cashflow-Ausweis – der Bewertungsbonus einer vermeintlich verlässlichen Wachstumsgeschichte steht zur Disposition.